Die wohl traurigste und verständlichste Geschichte der Welt:
„Ich wünschte“, sprach das Kind mit nachdenklichem Blick, gerichtet auf die violette Neonleuchte in seinem Zimmer, „ich wünschte, ich wäre ein Edelgas.“
Traurigen Blickes schließt der Vater langsam seine Augen.
„Es tut mir Leid, mein Kind“, erwiderte dieser bekümmert, „du kannst kein Edelgas sein.“
Dem Kind schossen Tränen in seine runden Rehaugen.
„Wieso denn nicht?“
Der Vater schuckte.
„Du bist zu groß, hörst du?“, auch ihm kullerte eine einsame Träne über die Wange. „Dein Bewusstsein ist zu kompliziert für Elemente. Ein Edelgas kennt kein Ich.“
Das violette Neonlicht verschwimmt in seinem durch Wasser getrübten Augenlicht.
„Mach es aus“, sprach das Kind getroffen, „mach es aus.“
Vermutlich, so darf man annehmen, wünschte sich bereits der Homo Erectus, in seinem tiefsten, unverstandenen Streben, ein mit allen Elektronen bestücktes Atom zu sein.


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